Drei Tage, zwei 100-Meter-Highlines, ein Berg voller Menschen. Vom 3. bis 5. Juli waren wir wieder beim Bergfest in Brandenburg an der Havel dabei, und wie im letzten Jahr haben wir den Marienberg für ein Wochenende in unser Wohnzimmer verwandelt.
Zwei Lines, ein Berg, ein kompliziertes Puzzle
Wie im Vorjahr haben wir zwei Highlines gespannt. Beide 100 Meter lang, beide vom Turm der Friedenswarte hinüber zum Weinberg. Klingt nach demselben Aufbau wie letztes Jahr, und im Ergebnis ist es das auch. Aber der Weg dahin hat es jedes Mal in sich.
Das Besondere am Bergfest ist nämlich die Verankerung. Direkt am Weinberg können wir nicht ankern, weil unter dem Hügel ein Trinkwasserreservoir liegt. Also verlängern wir die Anker quer über den Hügel und den Hang hinab bis zu zwei großen Bäumen am Fuß des Bergs. Pro Line brauchen wir dafür jeweils 70 Meter Schlingen, doppelt ausgeführt (ein Main und ein Backup). Für beide Lines kommen so rund 280 Meter Schlingen zusammen, allein für diese eine, knifflige Ankerseite am Weinberg. Wo möglich haben wir zusätzlich unsere großen gelben Seile eingesetzt, dicke ausrangierte Seile aus einer Werft, um den Stretch zu reduzieren.
Ganz gereicht hat das aber nicht. Man baut alles auf, zieht alles schön stramm, und dann fangen die Schlingen unter Spannung an zu kriechen. Die Knoten ziehen sich fester, alles längt sich, und plötzlich wandert der A-Frame Zentimeter für Zentimeter Richtung Hangkante. Also mussten wir mitten im schon halb gespannten System noch einmal ran: mit einigem Aufwand ein Segment lokal entlasten, ein Stück Schlinge ausbauen, insgesamt vier bis sechs Meter Länge herausnehmen und dann weiterspannen. Am Ende stand alles bombenfest.
Aufgebaut haben wir am Freitag mit einer Handvoll Leuten aus dem Verein, am Samstag und Sonntag kamen dann immer wieder weitere dazu. Ich selbst war beim Rigging am Freitag nicht dabei, dafür das ganze Wochenende über oben auf dem Berg.
Neu in diesem Jahr: die SlackRacks am Fuß des Turms
Eine Neuerung 2026 waren zwei SlackRacks direkt am Fuß der Friedenswarte, gleich neben den Highlines. Das hat perfekt funktioniert. Kaum standen sie, kamen auch schon die Leute angeströmt. Vor allem die Kinder waren sofort Feuer und Flamme. Von Entspannung keine Sekunde, sondern direkt volle Racks und leuchtende Augen. Manche Eltern haben sich auch getraut, ein paar waren überraschend gut, andere einfach froh, dass sie es nicht gleich in luftiger Höhe versuchen mussten 🙂
Das Beste daran: Wir konnten den Menschen direkt zeigen, wie Slacklinen funktioniert, und dann einfach nach oben in den Himmel deuten und sagen „Schaut mal, das da oben, das geht auch, mit ein bisschen mehr Training“. So hingen das erste Wackeln auf dem SlackRack und die Highline hoch über den Köpfen unmittelbar zusammen.
Rigging, das seit Jahren einfach passt
Für mich ist es ein schönes Gefühl, an diesen Ort zurückzukommen. Die langjährige Zusammenarbeit mit dem Zirkus Creativo ist etwas Besonderes. Mit dem Team, das die ganzen Vereins- und Community-Beteiligungen beim Bergfest organisiert, kann man einfach schreiben „Nächstes Jahr machen wir es genau wie letztes Jahr“, und dann läuft das nahtlos. Wer schon einmal versucht hat, ein Slackline-Projekt auf die Beine zu stellen, weiß, wie selten das ist. Menschen an Bord zu holen und so ein Vorhaben ins Rollen zu bringen, ist oft harte Arbeit.
Oben auf der Line: kleine Spiele, großer Fortschritt
Ich (Erik) bin jetzt seit drei Jahren am Highlinen. Letztes Jahr habe ich beim Bergfest gerade so eine 100er gesendet, die ganze Line ohne Sturz. Dieses Jahr fühlte sich alles stabiler, sicherer und einfach schöner an. Und dieser Fortschritt zeigt sich nirgends besser als in den kleinen albernen Spielen, die man plötzlich oben spielen kann.
Markus und ich haben uns zum Beispiel ein Speed-Race geliefert. Ich stand auf der Polarline, er auf der anderen, einer Mischung aus Octopussy und Sonic. Auf dem Hinweg war er deutlich schneller, weil ich noch im Bounce-Walking unterwegs war. Auf dem Rückweg hat er mich zum zweiten Rennen herausgefordert. Diesmal habe ich das Bouncen sein lassen, bin einfach normal gelaufen und war sogar vor ihm am Ziel. Ein richtig gutes Gefühl. 😁
Mit Nico gab es dann noch eine „Exposure Battle“. Seitlich stehen, sich gegenüber anschauen, Schere-Stein-Papier spielen, und der Gewinner darf den anderen mit der imaginären Pistole „abschießen“. Ich habe gewonnen, Nico rückwärts in die Leash fallen lassen, und weil es so lustig war, bin ich vor Lachen gleich hinterher gefallen. Solche verrückten Spielereien sind erst möglich, wenn man sich oben wirklich sicher fühlt.
Die Lines waren übrigens gut besucht. Viele Menschen sind gelaufen, viele haben ganze Crossings geschafft. Unter uns, direkt am Hang, konnten wir die ganze Zeit die Festivalbesucher sehen. Balancieren hoch über einem Berg voller Leben.
Regen, Tanz und ein Schlafplatz auf dem Boden
Ganz ohne Wermutstropfen ging es nicht. Es hat viel geregnet, immer wieder kam und ging der Regen. An einem Tag mussten wir die SlackRacks früher abbauen. Aber auch daraus wurde ein schöner Abend. Im großen Zelt gab es am Samstag Live-Musik, und ein paar von uns Slacklinern haben einfach getanzt, bis der große Regen vorbei war und wir für die Nacht los konnten.
Übernachten durften wir dieses Jahr in der Wohnung einer Freundin in der Nähe, die übers Wochenende weg war. Mit Matratze und Schlafsack auf dem Boden, aber wie herrlich, nicht jeden Abend den ganzen Weg zurück nach Berlin fahren und am nächsten Morgen wiederkommen zu müssen.
Bis nächstes Jahr, Marienberg
Bergfest 2026 war wieder alles, was dieses Wochenende ausmacht: kniffliges Rigging, leuchtende Kinderaugen an den SlackRacks und Freundschaften hoch über dem Hang. Danke an den Zirkus Creativo und an alle, die mitgeholfen und sich getraut haben.
Du willst auch mal auf die Line? Wir trainieren von April bis Oktober regelmäßig in den Berliner Parks. Komm einfach vorbei oder schreib uns. Und vielleicht sehen wir uns ja nächstes Jahr oben auf dem Marienberg 🙂


















